Der erste Augenblick

Knirsch. Knirsch. Knirsch.
Knirsch? Knirsch!
„Was das wohl sein mag?“, fragte er sich. Jeder Meter, den die Welt tat, ließ dieses Geräusch in seinen Ohren zurück. Jeder Moment, der verging. Jeder Schritt?
„Ist es womöglich gar nicht die Welt?“, dachte er und zwang sich auf. Es fühlte sich an, als wären es Jahre, oder gar Jahrhunderte gewesen seit dem letzten Mal. Doch langsam quoll ein träger Blick aus seinem Inneren hervor. Er blinzelte müde und die Welt blinzelte müde zurück.
„Schwarz … Und irgendwie vergessen.“ So lautete sein vernichtendes Urteil, doch die Welt zeigte sich völlig unbeeindruckt. Vielleicht hatte sie auch nur vergessen, wie man beeindruckt sein konnte. Aber die kalte Schulter, die dem Urteil gezeigt wurde, ließ es kleinlaut wieder in die Ecke des Kopfes zurück kriechen, aus der es gekommen war.
Alles war schwarz. In sanften Falten zeichnete sich an einem farblosen Horizont der einheitliche Boden gegen den sternlosen Himmel ab. Zu unterscheiden lediglich durch die körnige Struktur des einen und den gelassenen Einklang des anderen.
Alles war schwarz. So sehr, dass dem ungeübten Auge der Wind, der durch die schwarzen Lüfte tanzte, kaum aufgefallen wäre. Doch er war da. Er kam aus der Ferne und er ging in die Ferne. Jenseits dieser Welt verschwand er in bunteren Gefilden. Doch so weit reichte der träge Blick nicht.
Aber bis zu seinen Füßen reichte er! Sand! Die Wurzel allen Übels! Das hieß, sofern ein beständiges Knirschen unter den Füßen alles Übel war, dass diese Welt kannte. Und es sah auf den ersten Blick ganz danach aus.
Ein großes Übel, ein überbordendes Übel! Soweit sein Blick reichte war die Welt mit diesem Übel überzogen. Jede Falte am Horizont, jede sanfte Linie im Boden und sogar einige in den Wolken zeigte die selbe Körnigkeit, die selbe verschlagene Schwärze. Die gleiche übermannende Versuchung eine Sandburg zu bauen!
„Doch alleine wird das ja nie etwas.“, dachte er gerade noch, ehe ihn der schrille Ton einer Trillerpfeife kurz aus der Realität riss. Ein Blitz zuckte durch die Welt und tauchte für nur einen Augenblick alles in unglaublich pastellene Farben. Schnelles Trappeln und Knirschen folgten und bald ein zweiter Blitz. Dieser jedoch tauchte die Welt in Schwärze und Benommenheit.
Er war umgerannt worden. Eindeutig! Frechheit!
Vorsichtig öffnete er wieder die Augen. Das Übel unter seinem Körper fühlte sich erstaunlich weich und ziemlich gemütlich an. Man würde wahrhaft tolle Übelburgen daraus bauen können! Aber nun gab es Wichtigeres. Zum Beispiel diese kleine schwarze Gestalt mit dem entschuldigenden Blick, der ausgestreckten Hand und einem seltsam schwarzen Schutzhelm auf dem Kopf.
Er ließ sich aufhelfen und sah, auch seine Hand und sein Arm waren schwarz. Alles an ihm war ebenso schwarz. Schon immer gewesen. Er hätte in den letzten Jahrzehnten doch ein zwei Blicke riskieren sollen, dachte er, während das andere schwarze Persönchen ihn rund herum begutachtete und Sand abklopfte.
Alles war in Ordnung. Niemand verletzt. Nichts zu Bruch gegangen.
Knirsch, knirsch, knirsch. Knirsch?
Da rannte es und blieb wieder stehn. Es war schwer das Gesicht zu lesen, aber nicht weil alles schwarz war, sondern weil es so lange her gewesen war, seit er dies das letzte mal tun musste. „Soll ich… mitkommen?“, fragte er sich und das Persönchen nickte eifrig. „Nur wohin?“ und ein Fingerzeig folgte.
Dort hinten, weit am Horizont glitzerte etwas. Farbenfroh und unnahbar. Wie ein Traum bei Nacht.


Gut soweit? Gut! Hier gehts zu Teil Zwei!

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